Chronik

Der Junggesellen-Verein wird gegründet

Im rheinischen Raum datieren viele Gründungen von Junggesellen- und Bürgervereinen im ersten drittel des 19. Jahrhunderts.

Europa war durch schreckliche Kriege unter Napoleon erschüttert und neue Ordnungsmächte – in Deutschland die Fürstenstaaten – gingen als Nachfolger aus
den Wirren dieser Zeit hervor.

Staatliche Ordnung wurde neu gestaltet –Wiener Kongreß 1815 – und die kommunalen Gliederungen- Landkreise, Städte und Gemeinden fanden durch die Ideen
des Freiherrn vom Stein einen Architekten und Bauherrn zugleich. Das Rheinland kam zu Preußen.

Das Gründungsjahr des Junggesellen-Vereins ist leider nicht genau zu ermitteln. In einem handgeschriebenen Protokoll aus dem Jahre 1909 wird ausdrücklich
auf die Bemühungen des Vorstands hingewiesen, das Alter des Vereins festzustellen. Nachforschungen im Pfarrarchiv und beim Staatsarchiv Koblenz waren leider
erfolglos.

Ältestes Beweisstück war ein Versteigerungsprotokoll vom 2. Februar 1829. Der damalige Vorstand legte laut Niederschrift das Gründungsdatum anhand des
vorliegenden Versteigerungsprotokolls fest. Ein weiteres amtliches Dokument liegt aus dem Jahre 1866 vor und ist vom damaligen Amtsbürgermeister Dr. Wurzer
unterzeichnet. Hier lesen wir .. „Von undenklichen Zeiten her hat in dem Flecken Hönningen ein Junggesellen-Verein bestanden, welcher an dem Kirchweihfest
und bei sonstigen Gelegenheiten sogenannte Aufzüge und Vogelschießen veranstaltet.

Hönningen war Jahre 1829 ein kleiner Rheinort mit ca. 1450 Einwohnern. Die Bevölkerung – Bauern, Kaufleute, Handwerker und Tagelöhner – ging mühsam ihrer
Arbeit nach. Die Sorge um den Unterhalt der oft großen Familien bestimmte das Geschehen. Doch Feste, und hier das Namensfest der Kirchenpatrone Petrus und
Paulus wollte man schon gebührend feiern.

Der erste Weltkrieg

Das Schicksalsjahr 1914 war gekommen, und die Vorboten des 1. Weltkriegs senkten sich über Europa. Auch Männer auch Hönningen wurden zu den Waffen
gerufen, einige sahen ihre Heimat nicht wieder. Im Jahre 1920 wurde zum erstenmal wieder in Hönningen die Kirmes gefeiert.

Im Jahre 1929 wurde dann das 100-jährige Stiftungsfest gefeiert, wozu keine Mühen gescheut wurden und über Hönningen wurde ein festliches Kleid gelegt.

Der zweite Weltkrieg


Doch wie so häufig im Leben – zu dem Jubel nach dieser Jahrhundert Veranstaltung mischten sich erste Anzeichen einer unglücklichen Zeit. Diese
Geschehnisse gingen ab 1933 auch nicht am Junggesellen- Verein spurlos vorbei. Wie mancher andere Ortsverein sollten auch die Junggesellen sich den
Vorstellungen der neuen Machthaber fügen. Umzüge und sonstige Veranstaltungen bedurften der Genehmigung durch die Bezirksregierung, die ihrerseits immer
neue und nicht mehr annehmbare Auflagen machte. Im Jahre 1937, durch die Ereignisse vor keine andere Wahl gestellt, wurde der Verein unter dem damaligen
Vorsitzenden Wilhelm Fingerhut aufgelöst. Die Kirchenfahnen – Peter und Paul- Fahne und Kaiser Heinrich- Fahne – wurden in der Pfarrkirche untergebracht.
Die anderen Vereinssachen wie Schwenkfahnen und Uniformen wurden trotz der damit verbundenen Gefahr in privater Obhut genommen.

Die Nachkriegszeit

Im Jahre 1946 wurde die erste ordentliche Versammlung abgehalten und ein neues Vorstand gewählt. Der Verein wurde wieder ins Leben gerufen und rüstete
unter seinem neuen Vorsitzenden E. Bahles zu der 1. Kirmes nach dem 2. Weltkrieg. Natürlich waren noch Schwierigkeiten zu überwinden, doch zähes Verhandeln
mit der französischen Militärregierung und nicht zuletzt das Entgegenkommen der Behörde ermöglichten den Start nach 9 Jahren.

In den letzten 50 Jahren gab es viele helle und noch mehr dunkle Zeiten für den Junggesellen-Verein. Heute steht er jedoch wieder sehr stark da und die
Zahl der neuen Mitglieder könnte als positives Zeichen für die Zukunft gesehen werden.

Der Junggesellen-Verein heute

Mit weit mehr als 70 aktiven Junggesellen, 20 Ehrendamen und mehr als 80 inaktiven Mitgliedern gehört der Junggesellen-Verein heute zu einen der bedeutesten Vereinen in Bad Hönningen.
Dabei steht die Traditionspflege noch immer an höchster Stelle, auch wenn sich dies immer schwieriger gestalltet. So musste im Jahr 2011 die schwere Entscheidung von der Jahreshauptversammlung
getroffen werden, dass der Kirmesdienstag ab 2012 nicht mehr stattfinden wird. Der Königszug und – ball wurden dabei auf den Kirmessonntag verlegt. Das Königsschießen auf den Sonntag vor Kirmes.

Dieser Schritt war eine Reaktion des Junggesellen-Vereins auf die immer weiter sinkenden Besucherzahlen am Kirmesdienstag. Mit dem neuen Konzept erhoffte man sich mehr Teilnehmer am Königsball,
um so dem Königspaar weiterhin einen würdigen Abend zu gestalten.